INTRAPRENEURSHIP – WIE INTRAPRENEURE DENKEN UND ARBEITEN (TEIL 2)

Dies ist der zweite Teil einer Serie von Artikeln in dem Sie einen Überblick über die Bedeutung von Intrapreneurship erhalten. Sie erfahren was Intrapreneurship genau bedeutet, wie es funktioniert und was es für eine erfolgreiche Implementierung im Unternehmen braucht.

DIE DENK- UND ARBEITSWEISEN VON INTRAPRENEUREN

Intrapreneure orientieren sich bei ihrer Arbeit grundsätzlich am Kunden nutzen und fokussieren sich darauf, eine Lösung für ein relevantes, drängelndes, fundamentales Problem für einen Kunden zu finden. Das bedeutet: Die wesentlichen Aufgaben des Intrapreneurs sind die Entwicklung und die Umsetzung von Problemlösungen bis zu deren Marktreife.

Grob gesagt lässt sich der Entwicklungs- und Umsetzungsprozess in folgende Phasen unterteilen:

  • Erkennen eines Problems und Überprüfung der Annahme
  • Entwicklung einer Lösung und Überprüfung beim Kunden
  • Erstellung eines Business-Plans und Realitäts- Check

In der Phase 1 geht es in erster Linie um das Problem und wie relevant dieses für die Kunden ist. Dadurch wird verhindert, dass zu schnell in die Entwicklung einer Lösung investiert wird, in der Annahme, dass es hierfür sicher schon Kunden gibt, die eine solche Lösung benötigen.

Je größer und drängender ein Problem ist, desto eher sind Kunden bereit, für eine Lösung Geld auszugeben. Ein weiterer wichtiger Faktor für die Einschätzung des Potentials der Idee ist auch die Anzahl an Kunden, die ein derartiges Problem haben. Wichtig dabei ist vor allem, dass ein Problem präzise formuliert und in der Tiefe verstanden wird.

Die Überprüfung dieser Annahmen durch Gespräche mit Kunden und Betroffenen des Problems ist an dieser Stelle bereits von entscheidender Bedeutung. Denn nur, wenn das Problem richtig verstanden wurde, kann man prüfen, ob es bereits hierfür Lösungen am Markt gibt und wie gut diese geeignet sind, das Problem zu lösen. Denn nur, wenn die bestehenden Lösungen das Problem nicht ausreichend lösen, macht es Sinn, eine bessere Lösung zu entwickeln.

Bei der Entwicklung einer Lösung in der Phase 2 achten Intrapreneure darauf, dass diese ihren eigenen Interessen und Fähigkeiten entspricht, zum Unternehmen passt, in dem sie angestellt sind, und natürlich, dass das erkannte Problem löst.

Die Überprüfung, ob die vorgeschlagenen Lösungen tatsächlich durch die potenziellen Kunden überhaupt verstanden, akzeptiert und angenommen würden, rundet diese Phase ab.

Idealerweise entwickeln Intrapreneure bereits einen Prototyp des Produkts, welcher die wichtigsten Funktionen für die Problemlösung bietet, aber noch nicht fertig modelliert und entwickelt ist. Selbst Modelle aus dem 3D-Drucker, eine minimalistische App, Bilder oder Skizzen können dem Kunden helfen, zu verstehen und zu testen, wie die Lösung aussehen würde. Das verbessert die Ergebnisse der Feedbacks.

Die Vorteile eines Prototyps liegen auch darin, dass sich Änderungen in der Regel schnell implementieren lassen, die Entwicklungskosten relativ gering sind und der Zeitraum bis zur Fertigstellung relativ kurz ist.

Relevant für Phase 3 ist vor allem, wie das Produkt vermarktet und vertrieben werden kann, und wie die Deckungsbeiträge aussehen. Ein Business-Plan wird erstellt, welcher ein fundiertes Gesamtbild über Produkt und Geschäftsmodell beschreibt (Produktnutzen, Markt, Konkurrenz analyse, Swat-Analyse, Produktionskosten, Marketing, Finanzierung etc.). Nur dann, wenn mit dem Produkt auch Geld verdient werden kann, macht es Sinn, dieses auch zu produzieren. Intrapreneure nutzen auch in dieser Phase einen Prototyp, welcher allerdings schon weiterentwickelt ist. Hiermit lassen sich unter anderem Preis- und Nutzertests am Markt durchführen, um zu sehen, wie sich die Nachfrage entwickeln könnte.

Jede Phase ist dadurch geprägt, dass ein Aus der Idee jederzeit möglich ist, sollten Umfragen oder Tests darauf hinweisen, dass mit dem verfolgten Ansatz kein Erfolg erzielt werden kann. Auch Finanzierungen werden nur bis zum nächsten Abschnitt bereitgestellt, um nicht zu hoch ins Risiko zu gehen.

Am Ende dieses Prozesses steht die „Stop-or-Go“-Entscheidung an. Basierend auf dem Business-Plan präsentiert der Intrapreneur die Geschäftsidee einem Gremium bestehend aus Unternehmensvertretern, um die Entscheidung zu treffen, ob das Projekt umgesetzt oder eingestellt wird. Im positiven Falle wird außerdem festgelegt, in welcher Form der Geschäftsplan umgesetzt werden soll (internes Projekt, internes Startup, Ausgliederung, Partnerschaft etc.)

Frage an Sie: Wie werden in Ihrem Unternehmen Prozessinnovationen und Produktinnovationen vor Einführung getestet? Gibt es Prototypen? Werden Tests auch mit Kunden und Lieferanten durchgeführt?

VORTEILE VON INTRAPRENEURSHIP FÜR UNTERNEHMER UND ANGESTELLTE

Heutzutage möchten Mitarbeiter von allem ein bisschen: Kreativität und Routine, Engagement und Freiraum, Selbstverwirklichung und Anerkennung, Sicherheit und Startup-Kultur.

Für Unternehmen stehen vor allem Wachstum und die Zukunftsfähigkeit der Firma im Vordergrund. Jeder Euro, der investiert wird, sollte auch einen Return-on-Invest bringen und das Unternehmen voranbringen.

Gerade Intrapreneurship ist ein Weg, wie all diese Interessen zusammen- gehen können und somit das Beste aus zwei Welten ergeben.

Bestehende Unternehmen bieten ein professionelles Umfeld, in dem Intrapreneure agieren können, da bereits alle notwendigen Ressourcen vorhanden sind. Alle relevanten Abteilungen und Experten, die für die Produktentwicklung, Tests und Vermarktung benötigt werden, sind normalerweise im Unternehmen verfügbar. Ein eigenständiges Startup- Unternehmen müsste all diese Bereiche erst aufbauen, was Zeit kostet, die nicht in die Produktentwicklung investiert werden kann. Es bestehen auch Kunden- und Lieferantenverbindungen, welche für Umfragen und Tests von Prototypen genutzt werden können.

Für Mitarbeiter ist es aus wirtschaftlicher Sicht ein Vorteil, erstmal nicht vom kommerziellen Erfolg des Produktes abhängig zu sein, da sie vom Unter- nehmen weiterbezahlt werden. Dies schafft Sicherheit und geistige Freiheit für den Intrapreneur. Oftmals bleiben die Konditionen unverändert, auch wenn der Mitarbeiter als Intrapreneur an einem internen Startup arbeitet.

Neben den wirtschaftlichen Faktoren ist es sicherlich für die Mitarbeiter sehr motivierend, mit einer eigenen Idee mehr oder weniger auf der grünen Wiese zu beginnen, eigenständig etwas komplett Neues zu erschaffen und die Rahmenbedingungen größtenteils selbst festzulegen.

Für die Unternehmen bietet Intrapreneurship ebenfalls viele Vorteile. Natürlich eröffnet Intrapreneurship die Chance auf neue Produkte und Prozesse und damit die Chance, neue Kunden und Märkte zu erobern und auf das Unternehmen aufmerksam zu machen.

Intrapreneurship leistet aber auch einen wertvollen Beitrag zum Employer Branding, denn es gibt immer mehr Arbeitnehmer, die die Sicherheit einer Firma suchen, mit der Möglichkeit, wie in einem Startup arbeiten zu können.

Die Kosten für Produktentwicklungen sind ebenfalls überschaubar, da diese abschnittsweise entstehen. Auch die Prototypen haben zu Beginn vor allem Basisfunktionen, was sie in der Entwicklung günstig macht.

Wird Intrapreuership dauerhaft im Unternehmen implementiert, überträgt sich die Arbeitsweise nach und nach auf die Gesamtorganisation, besonders wenn ein Austausch von Mitarbeitern zwischen einem internen Startup und der übrigen Organisation erfolgt. Damit wird das Unternehmen insge samt agiler und innovativer.

Mitarbeiter machen wichtige Erfahrungen, welche ihrem unternehmerischen Denken und Handeln zugutekommen. Diese Erfahrungen werden ihnen und dem Unternehmen auf dem weiteren Weg nützlich sein, unabhängig davon, ob das entwickelte Produkt erfolgreich ist oder nicht.

Question for you: Does your company have an idea management program or idea competitions/workshops in which all employees can participate?

Zum Weiterlesen:

Teil 1: Intrapreneurship – So gelingt Innovation aus dem eigenen Unternehmen heraus

Teil 2: So denken und arbeiten Intrapreneure

Teil 3: Erfolgsfaktoren für erfolgreiches Intrapreneurship in ihrem Unternehmen

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